Tennis Wahlstedt e. V. ?!?!?

Sa, 9. Juni 2018
Rubrik: Allgemein

 

Guckt man auf die Tabelle in der Tennis-Verbandsliga (zweithöchste Klasse in Schleswig-Holstein) der Herren, steht da an erster Stelle ein Verein namens Tennis Wahlstedt e. V. – nein, nicht TC Rot-Weiss Wahlstedt.

Was es mit dem „neuen“ Wahlstedter Verein auf sich hat, erklärt Dr. Frank Intert, der 1. Vorsitzende: „Wir haben ein Nachwuchsprojekt für junge ambitionierte  Nachwuchsspieler im Herren-Bereich, die zunächst ihre Grundausbildung machen und perspektivisch in den 1. Herrenkader der Nord- oder Regionalliga aufsteigen sollen.“ Diese Nachwuchsspieler wollen natürlich auch am Punktspielbetrieb teilnehmen. Und da gab es im Tennis-Verband die Regel, dass sich eine neue Mannschaft hinter der letzten gemeldeten Mannschaft in der Altersklasse einreihen muss. „Da wir eine zweite Herrenmannschaft haben, die in der Bezirksliga aufschlägt, würde das Bezirksklasse bedeuten“, so Intert. Ein Aufstieg in die Klasse, die deren Spielstärke entspricht, würde Jahre dauern. Grund für diese Regelung, war – und ist – die Unsitte einiger Vereine, deren Youngster eine hohe Spielklasse zu realisieren, in dem Namen von internationale Spielerinnen auf die Meldeliste gesetzt werden, die selten bis gar nicht eingesetzt werden, der Verband jedoch aufgrund der vermeidlichen guten Besetzung das Team in eine hohe Klasse einstufen kann. Intert: „ Für uns gab es die Möglichkeit, die Jungs in anderen Vereinen zu „parken“ und sie zu uns zurückzuholen, wenn sie „gereift“ sind“. Doch Wahlstedt entschied sich zur Neugründung eines Vereins, der zunächst nur aus einer Herren-Mannschaft besteht und die vom Verband in die Verbandsliga eingestuft wurde.

Inzwischen hat die Mitgliederversammlung des Tennisverbandes die Regeln geändert: Der Verein hat durch persönliche Erklärung zu bestätigen, dass alle Spieler auch tatsächlich eingesetzt werden und zwar auch in der folgenden Saison. „Sonst drohen Geldstrafen und die Aberkennung der erreichten Ziele“, ergänzt Intert, „wir waren insofern Wegbereiter für eine Änderung der Spielordnung zum Besseren.“

Das Projekt im Tennis Wahlstedt e. V. ist ein besonderes: Dort spielen neben Bon Lou Karstens (Jahrgang 2005) und Clemens Intert (2003) auch noch Hauke Karstens, Coach der 1. Herren des TC RW Wahlstedt, und Jonas Denker (beide 1989). Initiator ist Hauke Karstens, der in seiner Jugend mit Denker in Itzehoe das Tennis spielen lernte. Trainer war ein gewisser Torben Beltz, später Coach der 1. Damen in Wahlstedt (1. Bundesliga) und von Angelique Kerber, damals die Nummer 1 der Welt. „Toben hatte damals mit uns Dreizehnjährigen das gleiche Konzept, wie wir es jetzt mit dem e V machen“. Hauke Karstens und Jonas Denker sind sehr erfahren, spielten unter Herby Horst im Landeskader. „Jonas war damals in seinem Jahrgang die Nummer eins in Deutschland, ein Riesentalent“, berichtet Karstens. Leider verhinderten Verletzungen einen Karriereaufstieg. Doch nun führen die beiden „alten Hasen“ die Youngster – und zwar nicht nur im Training, sondern auch im Punktspielbetrieb. „Wir haben bereits viele Interessenten, die zurzeit noch in anderen Vereinen gebunden sind, aber uns aufmerksam beobachten“, weiß Intert. Ein Projekt, das Schule machen könnte.

Und in der Verbandsliga schlägt sich dieses „Projekt“ mehr als wacker:  Zweites Spiel – zweiter Sieg. Beim Husumer TC setzten sie sich klar mit 5:1 durch. Hauke Karstens hielt Jens Sander mit 6:1, 6:3  sicher im Griff, machte seit langem erst wieder sein zweites Punktspiel. „Ich glaube zuletzt habe ich 2014 bei den Deutschen Uni-Meisterschaften gespielt, die wir übrigens gewonnen hatten“, grinst „Hulk“ Karstens. Auch Jonas Denker, der zweite „alte Hase“ gewann sicher. Clemes Intert musste sich im Match-Tiebreak knapp geschlagen geben, während das andere „Küken“, Bon Lou Karstens (nicht verwandt mit Hauke) in einem noch engerem Match 6:7, 7:5, 10:7 gewinnen konnte. „Bon Lou lag im zweiten Satz schon 1:5 zurück und wehrte insgesamt zehn Matchbälle ab. Unglaublich abgezockt für sein Alter“, lobte Hauke Karstens. Beide Doppel setzten sich jeweils aus einem Youngster und einem Oldie zusammen und gewannen sicher.

Jörn Boller