Time to say goodbye :´(

Mo, 8. Oktober 2018
Rubrik: Allgemein

 

Sie hätten in anderen Vereinen wesentlich mehr Geld verdienen können, aber sie waren ein eingeschworener Haufen, hatten einen Team-Spirit, um den sie auch höherklassige Vereine beneideten, sie wollten keine personelle Verstärkung von außen und haben sich vor einem Monat mit dem Aufstieg in die Tennis-Regionalliga selbst belohnt. Doch das ist jetzt Geschichte: Die 1. Herren des TC Rot-Weiss Wahlstedt lösen sich auf.

Das liegt darin begründet, dass Dr. Frank Intert, Chef und Mäzen von Tennis Wahlstedt, kein bezahltes Tennis mehr unterstützen will. Nachdem vor Jahren schon genau aus diesem Grunde die 1. Damen aus der 1. Bundeliga abgemeldet wurden, trifft es jetzt die 1. Herren. Eigentlich liegt der primäre Grund woanders: Die „Tennis-Werkstatt“, eine kostenpflichtige Akademie, in der aufstrebende Tennisprofis ein ideales Umfeld von Tennisplätzen (und Belag), Trainer, Turnierbetreuer und Physiotherapeuten vorfinden, rechnet sich nicht wie gewünscht. Dr. Intert: „Das läuft nicht so, wie ich mir es ursprünglich vorgestellt habe.“ Aus ihr rekrutierten sich die 1. Herren. Alles Profis, die Geld verdienen müssen, unter anderem, um ihre internationalen Turnierreisen zu finanzieren. Das wurde bislang zum großen Teil aus dem Privatschatulle von Dr. Intert bezahlt. Dieser hatte seinen  Beschluss schon länger gefasst, sah aber auch die Dynamik, die in der Truppe steckte, grübelte über den Zeitpunkt, wann er die Hiobsbotschaft verkünden sollte: „Es gab keinen günstigsten Moment, nur einen am wenigsten ungünstigsten.“ Und der war jetzt gekommen, da bis zum 15. Oktober die Mannschaftsmeldungen der Vereine vorliegen müssen. „Die Jungs waren natürlich zunächst geschockt, haben aber toll und mit vollem Verständnis reagiert“, berichtet Dr. Intert. Die meisten haben bereits neue Vereine gefunden. George von Massow, Leonard von Hindte und Flemming Peters schließen sich dem Club an der Alster an, der in der 2. Bundesliga aufschlägt. Pelle Boerma zieht es zum  TTK Sachsenwald (Nordliga), Noel Larbig geht nach Suchsdorf, deren 2. Mannschaft ebenfalls in der Nordliga spielt. Von Lucas Hellfritsch liegt noch kein Wechselantrag vor. Tomas Charlos wählt einen anderen Weg, wird bei Tennis Wahlstedt als Honorartrainer angestellt. Einzig Laurens Intert bleibt in Wahlstedt. Der angehende Zahnarzt, der im Moment seine Examensarbeit schreibt, wohnt und arbeitet in Hamburg. Ein Mitbewohner seiner WG ist übrigens George von Massow. „Es ist so schade, dass wir auseinandergehen. Wir waren und sind Freunde“, trauert Intert den letzten Jahren hinterher. Nachdem im Vorjahr der Regionalliga-Aufstieg knapp verpasst wurde, stand zur Debatte, eine neue Nummer 1 als Führungsspieler zu verpflichten. „Das hätte ich damals unterstützt“, verriet Dr. Intert. Doch die Jungs wollten das gar nicht. „Das schaffen wir selber!“, war das einhellige Credo. Und der Erfolg gab ihnen recht. Schon in der Nordliga war dieser „Haufen“ speziell – so ganz ohne „Ausländer“. Durchschnittlich 2,1 ausländische Profis kamen in den Vereinen zum Einsatz. In der Regionalliga waren es sogar 3,5 Spieler.

Intert wird nun die neue 1. Herren unterstützen, die in der Verbandsliga spielt. Und das ist das Projekt „Youngster plus Oldies“, das bereits seit einem Jahr läuft. Ältere, erfahrene Spieler, wie zum Beispiel Hauke Karstens, bislang Coach der Regionalliga-Herren und Jonas Denker (beides ehemalige Landeskader-Athleten) spielen mit den talentierten Youngster Bon Lou Karstens (Jahrgang 2005) und Clemens Intert (2003). Dr. Intert: „Die Jungen profitieren unheimlich von der Erfahrung der Ältern, gerade im Doppel.“ Dieses Projekt scheint auch für andere Nachwuchsspieler interessant zu sein, denn es liegen bereits mehrere Anfragen  aus anderen Clubs vor.

Jörn Boller